Wikinger

Die Wikinger waren Entdecker, Händler, Bauern und Eroberer. Sie lebten in den Gebieten der heutigen Staaten Schweden, Norwegen und Dänemark und in größeren Gebiete der Ostseeanrainerstaaten, wohin sie zusätzlich auch Handelsbeziehungen hatten. Sie betrieben Handel bis an die Seidenstraße und in den Mittelmeerraum, entdeckten rund 500 Jahre vor Kolumbus Amerika und praktizierten erstmalig eine demokratische Staatsregierung.

Sie kamen aus dem Norden und hatten viele Namen.

(Über Víkingr, Nortmanni, Waräger, Rus, Kvadlunak)

Ein schwedisches Sprichwort sagt: "Liebe Kinder haben viele Namen."

Nun, viele Namen haben auch die Wikinger, und das, obwohl sie keineswegs immer lieb waren. Der Grund ist ganz einfach der, daß die Wikinger die ersten Weltmeister im Reisen über Meer und Land waren und mit vielen Stämmen und Völkern in Berührung kamen. Bestimmt hatten auch die Indianer von Markland und Vinland einen Grund, aber der ist nach tausend Jahren längst in Vergessenheit geraten.

Von Neufundland bis zum Kaspischen Meer

Kvadlunak nannten die grönländischen Inuit die Männer, die zu irgendeiner Stunde in irgendeinem nachtlosen Sommer ihre langen Schiffe in den knirschenden Sand hinein ruderten, über die Reling sprangen und heftig mit den flachen Seiten ihrer Schwerter und Äxte auf die Schilde schlugen. Dazu schrien sie wie die Berserker. Die Inuit zogen es vor, Fersengeld zu geben. Seitdem nannten Erik der Rote und seine Mannen die kleinen dunklen Menschen verächtlich Skrällingar, was man wohl am ehesten mit Feiglinge übersetzen kann.

Die Landnahme auf Grönland ab 982, das Ausgreifen nach Nordamerika und der Epilog im 14. Jahrhundert spiegeln Antrieb und Schicksal der Wikinger auf fast dem ganzen, damals eurozentrierten Erdkreis wieder: 8.000 km von Neufundland bis zum Kaspischen Meer und 6.000 km vom Arktischen Ozean bis nach Bagdad.

Überfall auf Lindisfarne

Vikinger, das war eine Art Bezeichnung für einen Beruf, der die von den Söhnen ausgeübt wurde, die nicht als Erstgeborene das Licht der Welt erblickten. Sie bekamen eine Art Abfindung oder Ausgleichszahlung vom ältesten Bruder, aber bekamen kein Land als Erbe. Sie suchten deswegen ihre Zukunft hinter dem Horizont. Sie schlossen sich einem Häuptling oder gar Königssohn an, bekamen eine Kämpfer- und Matrosenausbildung und durften bei der nächsten Vikingfahrt dabeisein.

Als Beginn der Wikingerzeit gilt die Plünderung der Klosterkirche von Lindisfarne 793 an der englischen Nordostküste auf Holy Island. Tatsächlich aber hat es schon früher Überfälle gegeben. Die Wikingerzeit ebbte nach 1066 aus. Jedes Enddatum ist so ungenau wie das Anfangsdatum willkürlich ist.

Um überhaupt eine Fahrt über die Meere zu unternehmen, brauchten die Wikinger ein Fortbewegungsmittel das der rauhen See standhalten konnte. Die Voraussetzung gaben die Langschiffe durch ihre Haltbarkeit und Seetüchtigkeit, mit denen die Besatzungen sich weg von der Küstennähe quer über das Meer wagen und die sie sogar über Land von einem Fluß zum nächsten schleppen konnten.

Erik der Rote entdeckt Grönland (das Grüne Land)

Erik der Rote, schon ein Wikinger der sechsten Generation, wurde wegen Totschlags aus Norwegen verbannt. Er fuhr nach Island und heiratete dort. Aber nach einem weiteren Ausbruch seines Jähzorns, wurde er wiederum für drei Jahre verbannt. Da Island am Rande der bewohnten Welt lag, musste Erik neues Land im Norden suchen, wo ein vom Kurs abgekommener Isländer welches gesehen zu haben glaubte.

Drei Jahre schlug er sich durch, dann kehrte er nach Island zurück, erzählte Erstaunliches vom "Grünen Land" und brachte eine Siedlerexpedition von 35 Schiffen zusammen. 14 Schiffe kamen in Grönland an. Teils blieben sie an der Südküste, wo der Ostgau entstand, teils fuhren sie die Westküste entlang, wo sie ihr Siedlungsgebiet Westgau nannten.

Vom Kurs abgekommen

Wieder war es ein vom Kurs abgekommenes Boot, das diesmal im Westen Land entdeckt hatte, wo es sogar Bäume für den Bootsbau geben sollte. Leif und sein Bruder Thorvald legten ab. Sie hielten den Kurs, sie fanden das Land und an der Festlandküste des heutigen Neufundland sogar Bäume. Ob sie auf der Insel Neufundland Weinranken gefunden haben, ist strittig, denn man kann "Vinland" auch als "Weinland" interpretieren.

Mit den Indianern wurde gehandelt und gestritten. Ein Streit kostete Thorvald das Leben. Die Wikinger gaben ihre Ansiedlungen zeitweise auf, konnten wiederkehren, mussten aber schließlich die Ansiedlungen endgültig verlassen. Eine geringe Temperaturverschiebung in der Arktis ließ auf Grönland die Heuerträge zurückgehen. Das erschwerte die Viehzucht erst im Westgau, dann auch im Ostgau. Zwischen 1350 und 1500 starben die Siedler weg, sicher nicht zum Bedauern der Skrällingar.

Mit Abweichungen erging es den Wikingern überall gleich

Ihre Schiffe waren schnell und tauchten überraschend auf. Ihre Körpergröße und Armlänge machten sie zu gefürchteten Gegnern. Sie waren kampfgewohnt.

Das war weniger Lebensinhalt als Lebensunterhalt.

Sie riskierten im Kampf das eigene Leben, um sich an den Besiegten bereichern zu können. Man nahm ihnen Hab und Gut und verdiente noch einmal an ihnen, wenn man sie, sofern noch am Leben und arbeitstauglich, als Sklave verkaufte. Im Ostseeraum stellte der durchorganisierte Handel für die Waräger dort eine wichtige Einnahmequelle dar, wo Zobel und andere Felle vom pelzreichen Norden bis in den Orient hinein gehandelt wurden.

Zugleich blieb der Wunsch nach einem eigenen Stück Land. Nach ein paar Jahren Kampf mit den Elementen hatte man keine größere Sehnsucht als die, mit zwei Ochsen und einen Pflug Furche auf Furche durch den Boden zu ziehen, den Rücken allein krumm zu machen, allein zu schuften und so eigenes Land zu besitzen..

Auf ihrem ausgedehnten Aktionsgebiet haben sie nicht mehr Spuren hinterlassen als auf den Inseln Neufundland und Grönland. Außerhalb Skandinaviens konnten sie keine Gemeinwesen ausbauen und halten, denn es gab ganz einfach nicht genug von ihnen. Über kurz oder lang wurden sie entweder vertrieben, unterworfen, umgebracht oder verschmolzen mit der Bevölkerung so sehr, das sie ihre Gewohnheiten ablegten und so eins mit ihnen wurden.

Geblieben sind die Namen, die sie von Freund und Feind erhalten haben.

Fazit: Es war eine spannende Zeit damals! Um das Nacherleben dieser Zeit geht es mir mit Huginn.